Dauermesse für Gastronomen
Dauermesse für Gastronomen in der "WerkStadt Sendling"
München - Im Herbst zieht der erste Mieter in die „WerkStadt Sendling“ : "A&S Schneider Gastronomiekonzepte" will auf dem ehemaligen Gelände von Philip Morris ein Zentrum der Gastronomie verwirklichen.
Alles, was ein Wirt braucht, soll er auf dem rund 60 000 Quadratmeter großen Areal zwischen der Plinganserstraße und den Bahngleisen in Mittersendling finden - vom Strohhalm über Steuerberater und Mitarbeiter bis zur maßgeschneiderten Großküche: „Im Idealfall wird das Gastrozentrum eine Art Dauermesse“, erklärt Andreas Schneider, dessen Unternehmen Großküchen für die Gastronomie plant. Zudem sollen Restaurants und Kneipen Gourmets und Nachtschwärmer in die „WerkStadt“ locken. Bereits seit zehn Jahren treibt die Idee eines Gastrozentrums die Brüder Andreas und Stefan Schneider um: „Die Zeit der Sechs-Herdplatten-Küche ist vorbei. Gastronomie bedeutet heute mehr als ein Restaurant zu mieten und zu kochen“, sagt der 34-jährige Andreas Schneider. So würden etwa die Hygienevorschriften, die ein Wirt erfüllen muss, immer komplexer, weshalb Beratung, Schulung und Kühltechnik vermehrt nachgefragt würden. Auch seien es die Kunden leid, weit herumfahren zu müssen, um ihren gastronomischen Gesamtbedarf zu decken: „Uns wird immer wieder gesagt, dass es praktisch wäre, mehrere Firmen an einem Ort zu haben“, erklärt Andreas Schneider. Doch am bisherigen Firmensitz an der maroden Großmarkthalle konnten sie diese Idee nicht umsetzen - die Zukunft der Großmarkthalle sei zu ungewiss. Dagegen bietet die „WerkStadt Sendling“, die seit September 2009 im Besitz der investa Asset Management GmbH ist, alles, was die Schneiders brauchen: Viele Parkplätze und eine Lkw-Anlieferungszone, die sich hinter dem Gebäude versteckt, Flächen von mindestens 500 Quadratmetern Größe - und vor allem ein repräsentatives Erscheinungsbild. Mit dem Charme einer stillgelegten Zeche Denn das Gelände, auf dem mehr 100 Jahre lang Zigaretten gerollt wurden, hat einen Charme, der an die stillgelegten Zechen des Ruhrgebiets erinnert, die heute Industriedenkmäler sind. Und es soll noch schöner werden: Die Eigentümerin investa, die nur wenige Gebäude abreißen ließ, will die Außenflächen in den kommenden Monaten mit Bäumen, Rasen und einem Wegeleitsystem aufwerten. Der Schornstein bleibt als Wahrzeichen der „WerkStadt“ erhalten. Die 22 Mieteinheiten modernisiert investa einzeln - gemäß den Wünschen des jeweiligen Mieters. Die Idee eines Gastronomiezentrums steht und fällt freilich mit den weiteren Mietern. Aber unwahrscheinlich ist es nicht, dass sich in der „WerkStadt“ mit ihren Lofts und Lagerhallen artverwandte Betriebe ansiedeln: Die Firma Schneider holte bereits einen Party-Bedarf-Verleih an Bord. Laut investa zieht in das ehemalige Pförtnerhäuschen ein chicer Imbiss ein. Für das ehemalige Kesselhaus interessiere sich eine Event-Agentur. Mit einem Weinhändler und einem Lebensmittel-Fotografen ist die investa bereits in Verhandlungen. Bis Ende 2011 soll alles vermietet sein Doch auch von Betrieben, die auf den ersten Blick nichts mit Gastronomie zu tun haben, erhoffen sich die Schneiders Synergie-Effekte: „Schnittstellen gibt es auch mit dem Fliesenhandel, der hier einzieht, denkt man an Küchen und Toiletten“, sagt Andreas Schneider. Auf dem Gebäudedach im Westen des Geländes, mit Blick auf Alpen und Innenstadt, könnte er sich einen Biergarten vorstellen. Dazu braucht es aber eine Genehmigung vom Kreisverwaltungsreferat. Eine Mittersendlinger Außenstelle der Behörde, in der sich Wirte eine Freischankgenehmigung holen, während ihre Ehefrauen ein Stockwerk tiefer das Porzellan aussuchen, will Schneider zumindest nicht ausschließen: „Auf der Wiesn ist das KVR ja auch präsent“. Bis Ende 2011 sollen die Mieteinheiten im Westen des Geländes vermietet sein. Dann will investa den östlichen Teil vermarkten, in dem Philip Morris noch bis Ende 2011 seine Verwaltung hat.
Bettina Stuhlweißenburg
